Sandra Kunz weiß, was Ingwer, Kardamom, Zimt, Vanille & Co. alles können

    

Von Tatjana Brand

Passau. Exotische Kräuter und Gewürze galten schon zu früheren Zeiten als etwas ganz besonderes. Bereits die heilige Hildegard von Bingen kaufte Gewürze aus fernen Ländern. Viele dieser Gewürze haben durch ihre meist erwärmende Wirkung für Körper und Seele ihre „Hochsaison“ deshalb im Winter. Wie die beliebtesten Wintergewürze auf unseren Körper und das Gemüt wirken, stellt Heilpraktikerin Sandra Kunz vor. Doch aufgepasst Gewürze sollten immer nur in kleinen Dosen verwendet werden!

Anis hat pilzfeindliche, bakterienabtötende Wirkung, er kann bei Verschleimung der Atemwege und bei Verdauungsstörungen mit Blähungen und bei Darmpilzerkrankungen sehr hilfreich sein. Weiterhin gilt Anis als herzstärkend und Geistkraft fördernd. Bei Verdauungsstörungen und Verschleimung der Atemwege: Einen halben Teelöffel Anisfrüchte zerstoßen mit heißem Wasser überbrühen und 5 bis 10 Minuten ziehen lassen. Zwei bis drei Tassen täglich. Außerdem kann eine Tasse Anistee auch als beschwingender, fröhlich machender und stimulierender Tee getrunken werden.

Gewürznelken wirken erwärmend, sie unterstützen die Verdauungsfunktion und können als Öl, das man einreibt, Muskelverspannungen lösen. Zur Stärkung des Zahnfleisches kann ein Stückchen Nelke gekaut oder – als „starker“ Tee zubereitet – und als Gurgelmittel verwendet werden. Nelken wirken auch zur Anregung des Appetits und zur Aufhellung des Gemütes. „Unsere heimische Nelkenwurz besitzt übrigens auch das Eugenol und wirkt etwas milder als die große Schwester aus der Ferne“, erklärt Sandra Kunz.

Ingwer – „Wunderkind“ der Gewürzwelt

Über die medizinische Wirkung von Ingwer könnte man viele Seiten schreiben. In der ayurvedischen Medizin ist Ingwer ein bekanntes Mittel und wird u.a. bei Migräne und bei Parasitenbefall verwendet. Ingwer wirkt auf unseren Verdauungstrakt erwärmend und unterstützt somit die Verdauungsarbeit, kräftig den Magen und den Darm. Auch bei Krämpfen des Verdauungstraktes kann Ingwer die beste Wahl sein. Durch seine erwärmende Wirkung kann Ingwer den Kreislauf in Schwung bringen und kalte Füße erwärmen. „Ich setze Ingwer, in meiner Praxis, auch bei Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen erfolgreich ein.“ Teerezept: Die frische Ingwerknolle in Scheiben schneiden (etwa drei bis vier Stück) und in einem halben Liter heißem Wasser ausziehen lassen, 5 bis 8 Minuten ziehen lassen und über den Tag verteilt trinken.“ Aber Achtung: Vorsicht vor Überdosierung! Ingwer sollte von der Menge her als Gewürz, und nicht als Gemüse im Essen verwendet werden, sonst drohen Übelkeit und Schweißausbrüche!

Kardamom sollte noch grün sein, wenn er schon braun ist, sind viele seiner Wirkstoffe bereits verloren gegangen. Und auch im Pulver sind viele der wertvollen ätherischen Öle, verloren gegangen. Kardamom besitzt die Eigenschaft Koffein im Körper zu binden. Wenn man also zu spät am Abend einen Kaffee getrunken hat, und meint nicht schlafen zu können, kann man vor dem zu Bett gehen, ein bis zwei Samen kauen. Als Tee zubereitet und gegurgelt kann Kardamom bei Heiserkeit hilfreich sein. Er besitzt neben seiner sanft erwärmenden Wirkung auch antibakterielle, appetitanregende und verdauungsfördernde Eigenschaften.“ Teerezept: einen halben Teelöffel grob zerstoßene Kardamomsamen mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 5 bis 8 Minuten ziehen lassen, 1 Tasse täglich trinken oder als Gurgelwasser verwenden. Koriander besitzt zudem blähungswidrige und verdauungsfördernde Eigenschaften. „Ich verwende Präparate aus Koriander gerne zur Ausleitung von Schwermetallen. Koriandersirup kann auch, zur Lösung von Schleim, bei Erkältungskrankheiten und Husten gute Dienste leisten“, weiß Sandra Kunz. Dazu 1 Teelöffel gemahlene Korianderkörner mit 1 Teelöffel Ahornsirup oder Honig vermischen, diesen pur einnehmen, oder in einen Tee auflösen, oder ins Essen vermischt, einmal täglich, einnehmen.

„Jungbrunnen“ Safran als Stimmungsaufheller

Die Muskatnuss etwa in Salben verarbeitet und bei Muskelschmerzen äußerlich verwendet. Innerlich sollte Muskat nur in kleinen Mengen eingenommen werden. Etwas Muskatnuss in Kekse gerieben oder ins Essen gegeben kann auf unser Nervensystem entspannend wirken und trägt somit bei, Stress zu reduzieren. Die Nuss kann aber auch gedächtnisstärkend wirken. Eine stimmungsaufhellende Wirkung ist ebenso bekannt. Bei Verschleimung und Katarrhen der Atemwege wird sie gerne medizinisch verwendet. Aufgepasst: Die Nuss sollte nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, da sie fruchtaustreibende Wirkung besitzt!

Auch im Piment ist das ätherische Öl Eugenol enthalten. Piment trägt auch zu einer guten Verdauung bei, da die Verdauungssäfte aus Leber und Bauchspeicheldrüse angeregt und der Speichelfluss angekurbelt werden. Gerade vor fettlastigem Essen empfiehlt es sich, Piment zu sich zu nehmen, z. B. in Form eines Früchtepunsches mit Pimentkörnern. Aber Piment kann auch Muskel- und Gelenkschmerzen lindern: Etwa 3 Esslöffel gemahlene Pimentkörner mit 250 ml Olivenöl übergießen, etwa 14 Tage stehen lassen, dann abseihen. Das Öl bei Muskelschmerzen in die betroffenen Stellen einreiben.

Der Safran ist ein wahrer Stimmungsaufheller in der dunklen Jahreszeit. Er kann deshalb bei depressiven Verstimmungszuständen eingesetzt werden. Außerdem kann man ihn als Geriatrikum erster Güte bezeichnen. Auch bei Menstruationsbeschwerden werden Präparate aus Safran medizinisch verwendet. In der Nahrung sollte Safran allerdings nur in geringer Menge verwendet werden, da die Krokuspflanze giftig ist. 2 Fäden auf 2-3 Liter Suppe reichen aus.

Vanille fördert den Gallenfluss und hilft somit bei der Fettverdauung. Vanille gehört zu den erhellenden Gewürzen, die auch bei depressiven Verstimmungszuständen eingenommen werden kann.

Die Zimtrinde wirkt erwärmend. In Asien spricht man Zimt eine lebensverlängernde Wirkung zu. Da Zimt auch Blut verdünnend wirkt, sollte er allerdings nicht überdosiert werden. Kumarin ist auch im heimischen Waldmeister, im Steinklee und im Labkraut enthalten. Zimt, so hat man festgestellt, kann die Arbeit der Bauchspeicheldrüse stärken und somit den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Zimt, als Gewürz in Punsch und Plätzchen, kann ebenso unseren Kreislauf ankurbeln und erwärmt kalte Füße, kann aber Fuß- und Handschweiß auch reduzieren.